Rückblick auf 2014

Wenn auch etwas verspätet, so möchte ich doch noch einen Blick auf 2014 werfen und mir den Beginn meines veganen Lebens und meines aktiven Einstehens für Tiere in Erinnerung rufen, bevor es mit 2015 weitergeht. Im Monat Mai des letzten Jahres fiel die Entscheidung vegan zu leben. Ich hatte vorher schon viele Jahre vegetarisch gelebt, dann aber auch wieder Fleisch gegessen, aber damit ist nun endgültig Schluss. Der Entschluss war leicht gefasst und die Umstellung war nicht allzu schwer, da zudem meine Mutter und meine Schwestern mitzogen. Den Auslöser für meine Entscheidung kann ich nicht genau benennen, aber er mag aus der Unzufriedenheit mit meiner Ernährungssituation gewachsen sein. Mit dem Entschluss ging eine seltsame Erleichterung einher, denn ich hörte auf mich selbst zu belügen, mein schlechtes Gewissen zu beruhigen und mir über verschiedene Strategien einzureden, dass der Verzehr von Fleisch, Milch und Eiern doch vollkommen in Ordnung sei. Weitere entscheidende Impulse gab mir der Besuch auf dem Vegan Street Day am Pfingstsonntag in Stuttgart. Strahlender Sonnenschein und unwahrscheinliche Hitze begleiteten diesen Tag. An den verschiedenen Ständen konnte man sich zu Themen, die das vegane Leben und die Tierrechtsszene betreffen, informieren und zudem allerlei vegane Köstlichkeiten probieren. Angefangen beim veganen Döner über leckeres Eis und Pizza zu Langos, Smoothies und veganen Gyroswrap. Alles äußerst lecker!

Auch Facebook trug seinen Anteil bei, indem ich mich dort über verschiedene Tierrechtsorganisationen informierte und weiter in die Thematik vertiefte. So kam es auch, dass ich am 6.09. in Frankfurt am Main zum ersten Mal an einer Demonstration teilnahm. Der Verein „Ärzte gegen Tierversuche“ hatte zu einer Großdemo eingeladen, um öffentlichkeitswirksam gegen die Transporte von Versuchstieren durch die Passagierfluglinie Air France-KLM zu demonstrieren. Air France ist die letzte Passagierfluglinien, die noch bereit ist Affen aus Ländern wie Mauritius, China oder Vietnam, die dort entweder in der Wildnis gefangen oder in großen Zuchtanlagen gezüchtet werden, in die USA und nach Europa zu fliegen, damit sie ihr Leben dort unter schrecklichen Qualen in Tierversuchslaboren verbringen. Da ich zuvor noch nie an einer solchen Demo teilgenommen hatte, war ich ganz gespannt, was mich erwarten würde, welche Leute kommen und wie geordnet ein solcher Demozug verläuft. Das Wetter war herrlich und es fand sich eine bunt gemischte Truppe von Leuten zusammen, die alle ein Anliegen vertraten. Zuerst konnte man sich an Infoständen noch zu Tierversuchen, Tierrechten und den verschiedenen Organisationen informieren, dann zogen wir vom Ausgangspunkt durch die Innenstadt zum Hauptsitz von Air France-KLM, verweilten dort, taten lautstark unsere Meinung kund und zogen dann auf anderem Wege wieder zurück. Anschließend gab es noch ein Bühnenprogramm mit interessanten Beiträgen und an Essenständen konnte man sich vegan stärken. Alles verlief friedlich, wenn auch lautstark.

Das Max-Planck-Institut (MPI) in Tübingen betreibt ein solches Labor, in dem Versuche an Affen durchgeführt werden. SOKO Tierschutz hat nach sechsmonatiger Recherche im September in einer Undercover-Reportage ans Licht gebracht, wie sehr die Affen in diesem Labor für die Grundlagenforschung leiden und durch welch grausame Mittel sie dazu gezwungen werden, im Versuch ihre Aufgaben zu erfüllen.

„Manche Tiere werden jahrelang von Forschungseinrichtung zu Forschungseinrichtung gefahren, bevor sie am MPI in Tübingen ankommen, wo sie nach schwerwiegenden Operationen, monatelangen Versuchen und einem Leben in Gefangenschaft nur eines erwartet: der Tod.“, so in den Ergebnissen der Recherche bei SOKO Tierschutz nachzulesen.

Der Bericht bei sternTV hatte für öffentliches Entsetzen gesorgt und die bisher weitgehend unbekannten Versuche an Affen in die öffentliche Diskussion gerückt. Um weiterhin auf die grausamen Zustände am MPI hinzuweisen und den öffentlichen Druck aufrechtzuerhalten, organisierte SOKO Tierschutz mehrere Großdemonstrationen in Tübingen und Stuttgart. An der ersten Demo in Tübingen konnte ich leider nicht teilnehmen, aber es kamen am 20.09. in Tübingen rund 1200 Menschen zusammen, um lautstark und friedlich gegen die grausamen Affenversuche am MPI zu demonstrieren.

Am 25.10 war ich bei der nächsten Großdemo in Stuttgart mit dabei. Fast 1800 Menschen versammelten sich und zogen durch die Stadt, um ihre Forderung deutlich kund zu tun, dass Politik und Behörden die rechtswidrige Forschung endlich stoppen sollen. Der Protest in Stuttgart, der Landeshauptstadt Baden-Württembergs richtete sich an die Politik und an die Überwachungsbehörde, die schon seit Wochen gegen das Tierversuchslabor des Max-Planck-Instituts ermittelt hatte. Bis heute sind noch keine Ergebnisse dieser Ermittlungen bekannt gegeben worden. Da die Demo mitten in Stuttgart stattfand, konnten viele Menschen erreicht werden, es kam auch vor, dass sich Zuschauende erkundigten und dann ganz spontan mitliefen. Es war eine sehr gelungene Veranstaltung.

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Zwei Monate später, am 20.12 fand die 3. Großdemo in Tübingen statt. Die Veranstaltung unterschied sich von den vorigen darin, dass neben dem Demozug, der von der neuen Aula der Uni bis zum Max-Planck-Institut führte, auch eine Menschenkette um das MPI und eine daran anschließende Mahnwache geplant war. Am Treffpunkt fand eine Kundgebung statt, die ich verpasste. Als wir zum Parkhaus fuhren haben wir die Menschenmenge am Startpunkt stehen sehen und dachten, dass so viele Menschen nicht so schnell verschwinden könnten. Falsch gedacht, denn nachdem wir geparkt hatten und in Richtung Startpunkt gelaufen waren, waren die 900 Menschen doch plötzlich verschwunden. Der Demozug hatte sich schon auf den Weg gemacht und eilte den Berg zum MPI hinauf, also nahmen wir unsere Beine in die Hand und holten die Menschenmenge ein. Trotz der Kälte, war einem dann warm. Oben am MPI angekommen, versammelten sich alle und es folgte eine Kundgebung mit mehreren Redebeiträgen und einem Rollenspiel. Das Aufstellen zur Menschenkette verlief etwas ungeordnet, was aber verständlich ist, da dies zum ersten Mal probiert wurde. Die Intention war, das MPI mit der Menschenkette plus Absperrband unter Quarantäne zu setzen. Ich hatte einen relativ geschützten Platz unterhalb des MPI abbekommen, andere hatten mit sehr viel stärkerem Wind zu kämpfen. Dennoch machte sich bei dem langen Stehen die Kälte bemerkbar, abgelenkt wurde man allerdings durch das Grablicht, welches vom Wind immer wieder ausgepustet wurde. Man hatte gut zu tun, wollte man es am Brennen halten. Nach der Menschenkette konnte man sich mit einem heißen Getränk wieder aufwärmen. An diesem Tag war ich zum ersten Mal oben auf dem Berg und stand vor den gut bewachten Mauern des MPI. Es war schon ein eigenartiges, beklemmendes und trauriges Gefühl zu wissen, dass dort die grausamen Affenversuche hinter dieser schneeweißen Fassade stattfinden. Es war ein bewegender Tag und ich war sehr froh zu hören, dass das MPI die Pläne zum Ausbau mit eigener Zuchtanlage erst mal auf Eis gelegt hat. Hieran sieht man, dass auch die Proteste wirken, die sich gegen Air France richten, denn das MPI würde keine Zuchtanlage planen, wenn es nicht Probleme mit den Transporten gäbe. Es war sehr schön, dass trotz Kälte, Wind, Wetter und Vorweihnachtszeit 900 Menschen zusammengekommen waren, um für die Affen und ihr Recht auf ein Leben ohne Schmerzen und Qualen zu demonstrieren. Wir werden die Affen nicht vergessen, das MPI kann die Proteste also nicht einfach aussitzen und auf das Vergessen hoffen.

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Der Kampf geht weiter und die nächste Demo/Aktion kommt bestimmt … gegen das Vergessen!

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